es ist dunkel und ein unerwartet heftiger Graupelschauer überschüttet den Norden Darmstadts. Fahre vorsichtig über eine geschlossene weiße Decke. Für einen Moment zürne ich mit mir selber, werde aber schon am Jagdschloss Kranichstein mit einem sich spektakulär sich öffnendem roten Morgenhimmel belohnt, und bei Hanau begrüßt mich freundlich die aus dem Dunst über dem Spessart sich hebende Sonne. Zwischen Wetterau, Vogelsberg und hier ist die Welt noch in Ordnung.

Gestern Abend die Mail von Jürgen, der seinerseits auch erst recht kurzfristig über den Termin des bevorstehenden Einsatzes informiert worden war und spontan hatten wir uns verabredet.

Biege um 08:00h in den Zufahrtsweg bei Hüttengesäß ein, wo schon ein kleiner Trupp der Forstarbeitsfirma versammelt ist und die Ampelanlage in Betrieb zu nehmen versucht, die an diesem Tag für Sicherheit an der anliegenden Landstraße sorgen soll. Es sind Baumfällarbeiten geplant. Hessen Mobil hatte den Verein darum angeschrieben, um den Straßenverkehr nicht zu gefährden. In der Tat sind einige der Bäume mittlerweile zum Risiko geworden, krank, abgestorben, von Schädlingen befallen oder einfach mit instabilem Wurzelwerk. Um das massive Risiko für den Straßenverkehr, aber selbstredend auch für die Vereinsmitglieder, zu reduzieren, muss da einiges an Holz weg. Dass es nach neuerlicher Durchzählung am Samstag dann in Summe 55 (in Worten: fünfundfünfzig) Bäume sind, die aus der Böschung genommen werden müssen, versetzt mir erst mal einen leichten Schlag, fürchte ich doch, dass es dann hinterher etwas arg gerupft aussieht.

Die Forstfirma ist mit einem Bagger mit hydraulischer Zangenschere angetreten, die Standfestigkeit des Uferweges zu testen. Nach zwei schnell behobenen Problemen mit der Hydraulik geht's auch schon los. Die Bäume werden abgekniffen und erst mal auf dem an diesem Tag noch recht tragfähig zugefrorenen Weiher abgelegt. Ein Transportfahrzeug mit Ausleger sammelt dann alles wieder ein und arbeitet sich durch den oberflächlich bereits tauenden Boden bis hin zum Aufzuchtteich und wieder zurück zur Ablagefläche an der Zufahrtsstraße. Wieder und wieder.

Nebenbei erzählt Jürgen viel Interessantes aus der Geschichte des Teiches, ich erfahre Wertvolles über die Zu- und Abflüsse, etwas zur Besatzstrategie aber auch zu den Versorgungsmöglichkeiten vor Ort (sehr empfehlenswert z.B. Bauer Butz's Hofladen).

So gegen 15:00h ist dann langsam das Roden zu Ende und ein Rest an Abtransport läuft noch. Montag wird die Firma noch mal mit einem Baumkletterer anrücken um noch einen letzten größeren Baum mitzunehmen, dann ist wohl für ein paar Jahre Ruhe. Meine anfänglichen Sorgen sind nun vollends zerstreut. Insgesamt ist die Böschung deutlich luftiger geworden und gibt den übrig gebliebenen Bäumen und Büschen wieder mehr Raum für kräftigeren Wuchs von unten raus.

 

Was mir wichtig ist: Die ganzen Arbeiten wurden vom Verein an Fremdfirmen vergeben und unter hohen Kosten durchgeführt. Das Mulchen der Wege und die Fällarbeiten an den Bäumen haben dem Gewässer gegenüber dem letzten Jahr ein neues aufgeräumtes Gesicht gegeben, worüber ich mich sehr freue, gedanklich schon in der eisfreien Zeit wenn alles wieder grün wird. Auch wenn die Arbeit selbst von Firmen geleistet wird bleibt doch der Aufwand für die Angebotsanfragen, Verhandlungen, Beauftragung, Genehmigungen und Aufsicht während der Arbeiten erheblich. Ich habe an diesem Tag wieder einmal eindrucksvoll erlebt, mit wieviel Einsatz hier unser Jürgen Lungwitz sein Amt ausübt, der dies alles erledigt hat. Dafür von meiner Seite ein ganz besonderer Dank und ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch anschließt. Es ist eine große Freude und Ansporn, mit einem solchen Teich als angehender Gewässerwart in Verbindung gebracht werden zu dürfen.

 

Noch ein paar praktische Hinweise:

- Es ist leider unvermeidlich gewesen, dass kleineres Gezweig auf der Eisfläche verblieben ist. Nach dem Abtauen wird es sich in für Angelschnüre unangenehmes Treibgut verwandeln. Dies ist zwar im Einzelfall möglicherweise ärgerlich, angesichts des Umfangs der Maßnahme aber sicherlich verzeihlich. Bitte tragt mit dazu bei, dass jedes Ästchen nur einmal Ärger macht und entsorgt Euren Holz-Fang in der Böschung hinter Euch.

- Der Einsatz schwerer Maschinen auf den Uferwegen hat erwartungsgemäß dem Boden kräftig zugesetzt. In besonderer Weise trifft dies auf den Zugangsweg zu, über den auch in der HV (Diskussion um eine Rampe) geredet wurde. Es wird denke ich auch beim Betrachten der Bilder klar, warum hier (wenn überhaupt) nur eine tragfähige Lösung mit stabilem Unterbau in Frage kommt. Dies würde auch die Zufahrtmöglichkeiten bei zukünftigem Fischbesatz verbessern.

- Insgesamt ist das Seeufer erfreulich sauber. Es wurden nur kleinere Reste von Holzkohlenbarbecues und Wodkaflaschen im ufernahen Unterholz gefunden, sicherlich nicht von Anglern dort abgelegt. Toll, wenn es so bleibt.

Bilder sehen Sie hier  von Rolf Schmidt und Jürgen Lungwitz

Man sieht sich am Wasser.

Bis dann mit schönem Gruß und Petri Heil,

Euer Rolf Schmidt