Bericht in der Frankfurter Rundschau!

 

Viele Gewässer in Frankfurt sind mit E.coli-Bakterien und Fäkalstreptokokken belastet. 

Die Frankfurter Gewässer sind teilweise stark belastet. Immer wieder misst das Gesundheitsamt der Stadt an den Bächen und Flüssen erhöhte Konzentrationen von E.coli-Bakterien und Fäkalstreptokokken. „Wir messen die Oberflächengewässer vier Mal im Jahr an mehreren Stellen“, erklärt Ursel Heudorf, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes. Dabei sei erkennbar, dass jedes Gewässer mit diesen sogenannten Fäkalindikatoren kontaminiert sei. Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass ein Mann, der in den Eschbach gefallen war, sich dabei wahrscheinlich multiresistente Keime eingefangen hatte.

„Die multiresistenten Keime leben im Darm mancher Menschen. So gelangen sie mit den Ausscheidungen in unser Abwasser“, sagt Heudorf. Da die Kläranlagen die Belastungen im Wasser nur reduzieren, es aber nicht desinfizieren, seien auch nach der Aufbereitung noch Fäkalindikatoren im Wasser. Über die Kläranlagen wird es an vielen Stellen wieder in die Flüsse geleitet. Beim Eschbach ist es etwa das Klärwerk in Bad Homburg. Starke Belastungen weisen auch Erlenbach und Urselbach auf – wo ebenfalls Kläranlagen stehen. Problematisch dabei ist, dass auch Flüsse, die keine Klärwässer aufnehmen, ebenfalls kontaminiert sind. Neben den belasteten Zuflüssen würden sie beispielsweise durch Tierkot und Gülleausbringung in der Landwirtschaft verunreinigt.

Händewaschen ist Pflicht

„Die Flüsse eignen sich nicht zum Schwimmen“, stellt Heudorf fest. Wenn Kinder am Fluss spielen, sei ein anschließendes Händewaschen Pflicht – das gelte auch für Erwachsene. Zudem sei es nicht empfehlenswert, mit dem Wasser sein Gemüse zu gießen. „Bei Blumen ist es in Ordnung, für alles andere sollte man vielleicht lieber Brunnenwasser nehmen.“ Gelangt das kontaminierte Wasser an Wunden, sollten sie gründlich ausgewaschen werden. Im schlimmsten Fall könne es zu einer Infektion kommen. Sind multiresistente Keime im Spiel, müsse die Behandlung entsprechend angepasst werden.

Auch die Ortsvorsteher haben die Problematik nun im Blick. „Das Thema Keime verunsichert die Menschen schon“, sagt der Ortsvorsteher von Nieder-Eschbach Ernst Peter Müller (CDU). Er könne die Sorge der Nieder-Eschbacher verstehen, aber alle Gewässer seien belastet, nicht nur der Eschbach. Nach der Sommerpause wollen sich die Ortsvorsteher vom Gesundheitsamt erklären lassen, was es mit den Bakterien und Keimen auf sich hat. „Klar ist aber, dass wir das Problem hier nicht lösen können“, so Müller. Panik sei fehl am Platz, aber Vorsicht sollte jeder walten lassen.

Ein Faktor, der bei der Problembewältigung helfen könne, sei ein von der Bundesregierung beauftragtes Forschungsprojekt, das die Herkunft der multiresistenten Keime im Wasser klären soll. „Mit den Ergebnissen daraus, wird die Regierung vielleicht zu dem Schluss kommen, dass die Technik von Kläranlagen verbessert werden muss“, mutmaßt Heudorf. Dabei geht es auch um die Frage, ob Medikamentenrückstände und speziell Antibiotikaüberreste aus dem Wasser gefiltert werden müssen. Diese gelangen aber nicht nur durch den Menschen, sondern auch durch die Tierhaltung der Landwirtschaft in die Umwelt und würden damit die Klärwerke nicht durchlaufen.

Generell wäre eine gezielte Entfernung der Gesundheitskeime im Klärwerk möglich, erklärt Werner Kristeller, technischer Leiter der Stadtentwässerung Frankfurt. „Aber damit würde der Eschbach nicht zum Badegewässer“, sagt er unumwunden. Eine Behandlung mit Ozon oder UV-Strahlung könnte Bakterien und Keime abtöten. Die Belastung durch Landwirtschaft und andere Umwelteinflüsse würde aber bleiben. Die Fachdiskussion beschäftige sich momentan mit der Frage, ob eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen etabliert werden soll, um Mikroplastik und Medikamentenrückstände aus dem Abwasser zu beseitigen.

Steven Micksch Redakteur, Frankfurt & Rhein-Main

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