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Anreise

Am 05.08.2009 ging es früh morgens los. Auf dem Gelände eines Mecklenburgischen Veranstalters für Angelreisen trafen sich Jürgen Lungwitz und Oliver Krautgartner mit dreizehn gleichgesinnten Anglern zu einem gemeinsamen Angel-Urlaub in Norwegen. Ziel der Reise war der Ort Knutshaug auf der norwegischen Insel Hitra. Die Insel befindet sich in Mittelnorwegen und ist dem Trondheimfjord vorgelagert. Hitra ist mittlerweile als Ziel für Angelreisen allgemein bekannt und bietet sowohl von der geografischen Lage als auch von der Infrastruktur her ideale Bedingungen für das Hochseeangeln. Image Nach einem kurzen Kennenlernen wurde die Ausrüstung auf zwei Kleinbusse verladen und dann ging es auch schon los. Mit jeweils zwei Fahrern pro Bus wurde die komplette Strecke in einer Etappe von insgesamt ca. 26 Stunden bewältigt. Dies war nicht nur anstrengend, sondern bei den Grenzübertritten mitunter auch aufregend. Hatte doch der ein oder andere Mitreisende sich nicht so hundertprozentig an die Einfuhrbedingungen für Alkohol gehalten.

Ankunft

Am 06. August mittags sind wir dann auf Hitra angekommen und haben die Häuser bezogen. Die Unterkunft war wirklich sehr gut. Geräumige Häuser mit kleinen Doppelzimmern, zwei Badezimmern, Sauna und einem großen Wohn-Ess-Bereich wurden ergänzt durch die für das Angeln benötigte Ausstattung. So standen uns drei große Kaasboll Motorbote mit 100 PS Dieselmotoren, GPS und Echolot zur Verfügung. Abgerundet wurde das Ganze durch eine hervorragend ausgestattete Schlacht-Halle und großen Gefriertruhen zur Versorgung des Fangs. Sogar ein kleiner Angelladen war auf dem Gelände unterbracht. Hier konnte man zur Not noch Ausrüstung erwerben oder für die Dauer des Urlaubes leihen.

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Das Angeln

Nach einem kurzen Mittagessen wurde auch gleich die Ausrüstung verstaut und einer ersten Ausfahrt stand nichts im Wege. Die brachte nicht weit entfernt auch schon jede menge Seelachse in die Fischkisten. Für den eingefleischten Norwegenfahrer (Jürgen war schon mehrfach auf Hitra) ist das nichts Besonderes. Der Neuling ist aber schon hier beeindruckt, wie viel Spaß das Angeln dieser im Schnitt mit 40 Zentimetern verhältnismäßig kleinen Fische bringt. Hatte man einen Schwarm gefunden, konnte man hier mit Makrelenvorfächern pro Auswurf problemlos vier bis sechs Köhler in die Kisten befördern. Im Verlauf des Urlaubs wurde der Köhler für uns die einzige Quelle als Köder für das Naturköderfischen auf interessantere Fische wie Dorsch, Lumb oder Leng. Makrele ist hier zwar besser geeignet, die ließen sich aber nicht fangen. Das reichlich vorhandene Nahrungsangebot für die Makrelen machte selbst das Fischen in den Schwärmen aussichtslos.

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Die folgenden Angeltage gestalteten sich dann immer nach demselben Schema. Morgens wurde gefrühstückt und der Proviant für den Tag gepackt. Dann ging es meist so acht bis zehn Stunden aufs Wasser und abends wurden die Fische versorgt.

Da das Angeln auf Köhler mit der Zeit doch recht eintönig wird, da sich die Viecher einfach zu leicht fangen lassen, verlegten wir die Angelei auf tiefere Regionen. Dank der gut motorisierten Boote konnten wir im Umkreis von einer Stunde Fahrzeit verschiedene Plateaus mit angrenzenden Wassertiefen um die 150 Meter erreichen. Diese Tiefe hat sich als einigermaßen erfolgreich hinsichtlich des Fisch-Aufkommens und der Fischgrößen erwiesen. Gerade an den Kanten wurde auf dem Echolot meist größeres Fisch-Aufkommen angezeigt.

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Montagen

Mit drei Montagen ist man meiner Meinung nach in Norwegen bestens bedient. Man muss auch nicht unbedingt einen Hänger voll Angeln mitschleppen. Eine 30LBS Rute mit Multi zum Naturköderfischen und eine 250-Gramm Rute zum Pilken reicht allemal. Unter Umständen würde ich noch eine zweite 250g mitnehmen, damit man zwischen Pilken und Makrele nicht immer das Vorfach wechseln muss, das ist meiner Meinung nach aber Luxus.

Naturköder

Wir haben fast ausschließlich mit Naturködermontagen auf Grund gefischt. Hierbei hat sich vor allem eine simple Montage mit zwei Seitenarmen und 10er Naturköderhaken bewährt. Wir haben fast alle Fische auf eine solche Montage gefangen. Der ein oder andere hat anstatt der Naturköderhaken Maks eingeschlauft und mit Fischfetzen beködert. Macht in der Tiefe um 150 Metern meiner Meinung nach keinen Unterschied. Was allerdings auffiel war, dass Jürgen mit einem Blitzlicht am Vorfach deutlich mehr Bisse verzeichnen konnte als die anderen. Auch waren die Fische im Durchschnitt größer. Dies gilt es noch einmal nachzuprüfen. Die Größe der Fetzen hatte anscheinend auch keinen allzu großen Effekt auf die Größe der Fische. Wir haben die größten Fische auf die kleinsten Fetzenköder gefangen. Es gab mit den kleinen Ködern aber auch mehr Bisse und mehr kleinere Fische zusätzlich.

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Eine Abweichung gab es beim Angeln auf Rotbarsche. Hier haben wir eine Montage mit fünf Seitenarmen und kleineren Haken (6er) gefischt. Die Montage muss darüber hinaus mit kleinen Fischfetzen (ca. 4x4 cm) beködert und 10-15 Meter über Grund angeboten werden. Wenn Rotbarsche vorher nur Beifang waren, haben wir so fast ausschließlich große Rotbarsche gefangen. Da ich auch viele Fehlbisse hatte, würde ich die Montage mit Zwillings- oder Drillingshaken bestücken. Rote oder Fluoschläuche kosten nicht viel und schaden bestimmt nicht.

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Pilk

Gepilkt haben wir kaum. Wenn, dann mit einfachen Montagen und 1-3 Seitenarmen und Maks. Ich persönlich fand das Pilken tiefer als 70 Meter und mit Pilkern jenseits der 300 Gramm Grenze als sehr anstrengend und nicht mehr Urlaubs-gerecht.

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Makrele/Köhler

Für den Fang von Köhlern haben wir Makrelenvorfächer oder Vorfächer mit mehreren Seitenarmen und kleinen roten Gummimaks benutzt. Sowohl bei den Maks als auch bei den Makrelenvorfächern ging ab und zu auch mal ein Dorsch oder größerer Seelachs als Beifang an den Haken. Die Vorfächer sollten nicht zu klein sein. Heringsvorfächer sind nicht geeignet. Ich habe zeitweise mit normalen Pilkvorfächern und großen Pilkern kleine Köhler gefangen.

Ausnahmefänge

Ein besonderes Erlebnis war der Fang von zwei großen Lengs durch Jürgen und seinen Kumpel Holger. Die Fische bissen beide auf kleine Fischfetzen am Grund und zwar zeitlich lediglich ein paar Sekunden versetzt. Mit 1,30 Metern und 12 bzw. 13 KG handelte es sich hierbei für diese Gegend wohl schon um Ausnahmefische. Auf dem Foto mit Jürgen könnt ihr erahnen, wie anstrengend es ist, ein solches Vieh aus 150 Metern tiefe nach oben zu befördern.

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Fischversorgung und Transport

Am Ende eines Angeltages waren unserer Kisten meist gut gefüllt und der gefangene Fisch musste versorgt werden. Meiner Erfahrung nach empfiehlt sich ein Kehlschnitt der Fische direkt auf dem Boot. Die Fische bluten aus und das Fleisch bleibt länger haltbar und hat eine bessere Qualität.

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Wie man am besten filetiert, muss jeder selbst herausfinden. Es gibt genug Anleitungen im Netz. Sinnvoll ist es, die filetierten Fische schon in Hinblick auf eine spätere Unterbringung in der Transport-Kühlbox vorzubereiten. Ich habe meine in Einzelportionen von ca. 500 Gramm in 6 Liter Gefriertüten eingerollt und mit zwei Gummibändern gesichert. Sie ließen sich so prima in der Styroporbox verstauen. Noch besser wäre eine Portionierung in Plastikboxen, die bündig in die Transportkiste passen. Auf diese Weise reduziert man den Anteil Luft in der Box und die Filets bleiben länger gefroren.

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Was ebenfalls nicht zu empfehlen ist, ist das Waschen der Filets mit Süßwasser, da sich dies auf das Fleisch negativ auswirkt. Die Struktur bleibt am besten erhalten, wenn man die Filets einfach ein wenig trocknen lässt bzw. sie vorher mit Salzwasser abwäscht.

Fazit

Grundsätzlich war das eine tolle Angelreise. Wir hatten prima Wetter und konnten jeden Tag auch an weiter entfernten Stellen angeln. Die Erfahrungen von Jürgen waren hierbei wirklich Gold wert. Bei diesen riesigen Wasserflächen kann man schon mal den Ãœberblick verlieren. Geregnet hat es nur an zwei Tagen. Die Mitfahrer waren allesamt sehr nett und die Tage sind wie im Flug verstrichen. Das Angeln war ein echtes Erlebnis und die umgebende Natur hat dem ganzen noch die Krone aufgesetzt, denn es gab neben der tollen Landschaft auch einen Haufen Tümmler und Adler zu beobachten.

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Ein paar Wermutstropfen gab es aber doch. So hätte die Betreuung vor Ort durch den Veranstalter wesentlich freundlicher sein können. Auch die Information der Reisenden bzgl. der Sicherheit auf dem Wasser ließ aus meiner Sicht stark zu wünschen übrig.

Packliste

Ich als Norwegen-Neuling habe im Vorfeld der Reise Stunden damit verbracht, mich auf das Angeln in Norwegen vorzubereiten. Viele Ãœberraschungen habe ich nicht erlebt, das ein oder andere gebe ich hier aber gerne weiter:

Ruten und Rollen

Aus meiner Sicht benötigt man für das Angeln auf Hitra nur zwei Ruten. Eine 250 Gramm Pilkrute in 2,40 – 2,70 für das Pilken und eine 30 LBS Rute für das Naturköderangeln. Ich hatte die erste Rute mit einer 460er Penn Slammer und einer 15 LBS geflochtenen Power Pro bestückt. Die zweite mit einer Shimano TLD 20 Multirolle und 30 LBS Power Pro. Das waren aus meiner Sicht prima Kombinationen … mehr braucht man nicht. Eine dünne Rute fürs Köhlerangeln kann man auch noch mitnehmen, das macht aber auch mit der Pilkrute Spaß. Mir ist zweimal die Hauptschnur gerissen, als ich einen Hänger hatte. Trotzdem würde ich beim nächsten Mal eher die Vorfächer dünner wählen, als die geflochtene dicker.

Zubehör

  • Schnurzähler: Halte ich für ein sinnvolles Zubehör, wenn man in einer bestimmten Höhe über Grund fischen will. Man kann natürlich auch einfach ausprobieren, wie viel Schnur mit einer Kurbelumdrehung eingezogen wird.
  • Vorfächer: Ich würde fürs Köhlerangeln und Pilken 0,80er und fürs Naturköderangeln auch 0,80er bis maximal 1,0er Monofil benutzen. Das reißt kein Fisch durch. Dicker lässt sich kaum knoten und ist nicht notwendig.
  • Haken: Naturköderhaken in 10/0 und Drillinge in 7/0 reichen aus. Fürs Barsch und Makrelen-Angeln sind 6er Einzel- oder Zwillingshaken von Vorteil. Maks als Beifänger an Pilkern haben sich bewährt. Ich habe auch die Naturködersysteme an den Seitenarmen mit Fluo- oder rotem Schlauch bestückt.
  • Wirbel / Karabiner: ich persönlich würde nur noch einen stabilen Karabiner an die Hauptschnur machen und davor eine Perle aufziehen, damit man sich die Ringe nicht kaputt macht. Weitere Wirbel zum Pilker oder Blei sind meiner Meinung nach nicht notwendig und kosten nur Geld. Hier kann man besser große Schlaufen machen und Einschlaufen.
  • Bleie: Naturköderbleie zwischen 300 und 800 Gramm reichen aus meiner Sicht aus. Lang und dünn ist prima. Eine Anleitung zum einfachen Gießen solcher Bleie kommt noch.
  • Pilker: Ich persönlich würde nur noch Pilker bis 300 Gramm mitnehmen. Schwerer Pilken macht keinen Spaß.
  • Blitzlichter: So kleine Lichter die man auf die Hauptschnur zieht und die bei Kontakt mit Wasser anfangen zu blinken. Ich hatte das Gefühl, dass die manchmal den Ausschlag gegeben haben, wenn sich vier Ruten nebeneinander im Wasser befunden haben.
  • Gimbal: Unverzichtbar beim Naturköderangeln. Sonst gibt es blaue Flecken.

Sicherheit

Die Sicherheit wurde aus meiner Sicht bei der Reise arg vernachlässigt. Die meisten Teilnehmer hatten keine Ahnung, was bei einem Sturz ins kalte Wasser so alles passieren kann, wenn man nicht entsprechend vorbereitet ist. De vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Rettungswesten waren mit 50N auch viel zu klein dimensioniert. Ich empfehle hier einen Kälteschutzanzug und mindestens eine 150N-Weste, auch im Sommer. Alles andere ist leichtsinnig. Dass man auch mal Probleme haben kann haben einige Mitglieder nach einem Motorschaden feststellen können. Glücklicherweise konnten wir sie sofort in den Hafen schleppen.

Fischverwertung und Transport

Ich würde eine Styropor- oder Styrodurbox im Vorfeld besorgen und mit Plastikboxen ausstatten, in denen die Filets in Tüten eingefroren werden. Man kann die Kiste bei der Abfahrt dann sehr leicht und äußerst platzsparend füllen. Das Einrollen der Filets in 6-Liter-Tüten hat sich bewährt. Neben einem Filetiermesser und Schärfer sollte auch ein Schneidebrett, ein Sieb zum Abtropfen der Filets und ein Handtuch nicht fehlen.

Dies und Das

Ein Utensil, das ich völlig vergessen habe, war ein Stück Seife und eine Nagelbürste. Vielen Dank an Holger hierfür! .

Informationen

Bekommt man sehr gut über das Norwegen Angelforum!

Weitere Bilder findet ihr hier.